Die Figuren der Mönchsgraben-Hexen

Mönchsgraben-hexe

Um das Jahr 1590 wurden vier Frauen aus den Gemeinden Rangendingen, Sickingen und Bechtoldsweiler beschuldigt, auf dem Gewann „Schöner Rein“ bei den alten Eichen Hexentänze und Teufelsbeschwörungen  abgehalten zu haben.

Madlene Arnott wurde zusammen mit Margarete Haug aus Sickingen, Anna Oster und Katarine Clan beide aus Rangendingen der Hexerei bezichtigt und im Jahre 1598 zur Richtstätte am Heilig Kreuz geführt und durch das Feuer, vom Leben zum Tod, als Unhold lebendig zu Pulver und Asche verbrannt und hingerichtet.

Hintergrund und Häs

Die Mönchsgraben-Hexe ist das Herzstück unseres Vereins – sie steht von Anfang an für das, wofür wir seit der Gründung 2004 brennen: eine lebendige, laute und unvergessliche Fasnet.

Das Häs der Mönchsgrabenhexen ist unverwechselbar: Ein blau-grün karierter Rock mit beiger Schürze, eine rote Bluse und eine schwarze Stola bilden das Grundgerüst. Dazu kommen die rot-weiß geringelten Socken und die typischen Hexen-Strohschuhe – natürlich darf auch der Besen nicht fehlen! Das eigentliche Herzstück ist jedoch die handgeschnitzte Holzmaske mit schwarzem Kopftuch und Rosshaar. Jede Maske ist ein echtes Unikat mit ganz eigenem Charakter. Bei Nachtumzügen sorgt außerdem eine Laterne für die richtige Stimmung und macht das Häs erst so richtig komplett.

Wandermönch

Seit dem Jahr 1968 erinnert nur noch ein großer Grabstein an das, in der Hochburg gelegene, Mönchshaus. Die Überlieferungen besagen, dass an dieses Stelle einst ein Kloster, gar eine Burg gestanden haben soll. Bereits im 15. Jahrhundert wurde dieser Ort von frommen Rangendingern und Reisenden auf Wallfahrt aufgesucht. War durch die Bemühungen von Bruder Eberhart – ein Mitglied der Waldbrudergenossenschaft – sogar ein Altar herbeigeschafft worden. Es war nun nicht wunderlich, dass auch immer wieder Wandermönche durch die Rangendinger Wälder zogen. 

Im Laufe der Zeit häuften sich jedoch Berichte dieser Reisenden über die Sichtungen von Hexen, die in den Wäldern ihr Unheil trieben. So wurden Frauen bei Hexentänzen oder Teufelsbeschwörungen in den Wäldern beobachtet. Einer der reisenden Wandermönch nahm sich daraufhin der Hexenjagd an und überführte die Frauen schließlich der Hexerei. Durch seine Anschuldigungen fanden viele Frauen den Tod durch das Feuer. Nach seinem Tod wurde sein Erbe durch seine Brüder fortgesetzt.

Hintergrund und Häs

Der Wandermönch kam zum 20-jährigen Vereinsjubiläum zur Fasnet 2024 dazu – und fand sofort seinen Platz in unserer Narrenfamilie. Anders als Hexe und Reben-Maale ist er eine Einzelfigur, die bei Umzügen und Veranstaltungen als besonderer Blickfang auftritt. Mit langem Bart, brauner Kutte und Wanderstock verkörpert er einen jener frommen Reisenden, die einst durch die Wälder der Rangendinger Hochburg zogen. Bereits 1440 ist mit Waldbruder Eberhart ein solcher Mönch auf der Hochburg urkundlich belegt.

Reeba-Maale

Noch heute zeichnet sich im Gebiet der Hochburg die Vergangenheit ab, denn vor 500 Jahren wurden die Hänge noch für den hiesigen Weinbau genutzt. 

Wir schreiben das Jahr 1622. Jährlich werden von den Weinbauern tausende Liter Wein produziert. Während sich die Herrschaft am Wein erfreute und die Bauern mit den Abgaben rangen, interessierte sich noch jemand für für die Weinberge. In der Nacht oder den frühen Morgenstunden kann man ein besonderes Wesen zwischen den Reben entdecken. Halb Mensch – halb Wein. Gekleidet in Blätter. Trauben und Laub zieren sein Gesicht. Wer dieses Wesen sieht, erkennt es sogleich. Es ist einvReben-Maale. Sie kosteten Trauben und pflegten die Reben. Sie nehmen nur, was sie auch brauchen und die Bauern lassen sie unbehelligt ihr Werk tun. Verhilft doch ihr Zutun den Weingütern zu gutem Ruf und zu Wein von unumstrittener Qualität. Ob diese Maale mit dem Ende des Weinbaus verwanden oder noch immer in den Wäldern der Hochburg zuhause sind, vermag keiner zu sagen.

Hintergrund und Häs

Das Reeba-Maale ist halb Mensch, halb Wein – und seit der Fasnet 2024 offiziell die dritte Figur der Mönchsgraben-Hexen. Beim Besenstellen im Januar 2024 wurde sie der Öffentlichkeit zum ersten Mal präsentiert. Wer genau hinschaut, entdeckt eine kleine Verbindung zum Weinfest: Die Reben, die das Gesicht der Maske zieren, sind dieselben, die auch die Weinfest-Plakate schmücken.

Das Häs ist so unverkennbar wie die Figur selbst: Ein braunes Kopftuch und eine braune Hose bilden die Basis Die Jacke besteht aus übereinander geschichteten Blättern die an einen wild wuchernden Rebstock erinnern. Auch die Hose ist mit aufgestickten Weintrauben und Blättern verziert. Das Herzstück ist die handgeschnitzte Holzmaske, die vollständig von Weinblättern und Trauben überwuchert wird. Abgerundet wird das Hässlichkeit stimmungsvoll von einer lauten Holzrätsche.

Rangendingen, im Juni 2004
Narrenverein Mönchsgraben-Hexen Rangendingen